Kritik am freien Willen (2)

Kritik am freien Willen (2)

Belegt an einem Naturvergleich

Wenn der freie Wille nicht existiert, was unterscheidet uns dann von den Tieren?

Durch die radikale Reduzierung der Fragestellung auf eine völlig andere Thematik, nämlich das begründete Handeln, mag es einfach und sinnvoll erscheinen den freien Willen als nicht existent abzustempeln – dabei wird hier etwas anderes behandelt: Nämlich das kausale Handeln.

Auf Aktionen erfolgen immer Reaktionen, es fragt sich nur ob in einer gleichen Aktion die gleiche Reaktion folgen würde, oder ob sich das Individuum anders entscheiden würde.

Diese Frage lässt sich aber nicht beantworten.

Folgt man aber der Idee des Determinismus, muss der Handelnde in jeder gleichen Aktion ( hier: Entscheidungssituation mit vorgegebenen Bedingungen )  immer gleich reagieren, egal wie oft man sie wiederholt – hierbei muss es aber wirklich die absolut gleiche Aktion sein.

Wenn wir eine andere Theorie verfolgen, stellen wir uns als Mensch über die Natur, wir sehen uns als etwas höheres – schließlich ist absolut jedes Ereignis in unserer Welt auch determiniert durch die zugrundeliegenden geschehene Ereignisse. Der radikale Determinismus sieht uns als biologische Systeme, die determiniert sind und durch innere und äußere Einflüsse gelenkt werden – jede andere Theorie würde uns als etwas sehen, was über den physikalischen Gesetzen und der allgemein gültigen Logik steht, als eine von der Natur unabhängige Einheit, die völlig willkürlich handelt.

Gleich ist es mit dem Zufall: Es gibt keinen Zufall, es gibt nur Dinge, welche wir nicht aus jenem Momenten vorhersagen können oder eben auch gar nicht vorhersagen können. Deshalb sind sie nicht willkürlich, geschweige denn ist es unsern Handeln.

Nur weil wir nicht fähig sind, etwas zu verstehen, sollten wir es nicht wieder als etwas göttliches oder als etwas höheres abtun. Damit stellen wir uns unter eine Logik, mit welcher wir alles simplifizieren können, und auch keine Wahrheit erfahren. Wir hören dann nämlich auf, Dinge zu hinterfragen, weil sie mit einer fantastischen Idee einfach zu erklären sind – wir sind nicht gottesgleich oder etwas besseres.

Wir sind biologische Systeme, determiniert, nicht besser als Tiere – aber es gibt etwas, was uns von ihnen unterscheidet, denn wir können Dinge hinterfragen. Und das sollten wir tun.

Die Aufklärung hat unsere Welt und unsere Denkweise verändert, und wenn wir aufhören, nach Aufklärung zu streben verfallen wir den wahnwitzigen Ideen einer allgemein herrschenden, undurchdachten Theorie, welche wir nur verfolgen, weil sie bequem und schmeichelnd erscheint – und von unseren Vorfahren gelebt wurde. Stillstand ist Rückschritt.

Der freie Wille existiert nicht als solches, aber wir können unsere Handlungen vermeintlich beeinflussen, eingeschränkt durch die determinierte Denkweise. Wir müssen konsequent-bedacht handeln, im Wohle der Allgemeinheit. Wir müssen uns selbst und anderen Menschen Impulse geben, Gutes zu tun um, dass wir gut leben können.

Kritik am freien Willen (1)

Kritik am freien Willen

Belegt auf Basis von kausalem Handeln und einer Grundvernunft

Der menschliche, freie Wille – von vielen wichtigen Philosophen als das beschrieben, was uns von den Tieren unterscheidet. Aber sind wir wirklich frei? Kann ein Individuum indeterminiert handeln?

Jeder Mensch entscheidet auf einer Basis von Werten und Normen und einem Vernunftprinzip, welches ihm im Laufe seines bisherigen Lebenswerkes vermittelt wurde. In jede Entscheidung fließen viele Faktoren ein, das Bewusste, unbewusste und auch das emotionale. Der Mensch ist determiniert durch seine Grundvernunft, wobei jeder ein anderes Verständnis von Vernunft hat, geformt durch Erfahrungen und sein spezifisches Umfeld. Der Mensch kann nur in der Masse, in der Gruppe eine solche Vernunft erlernen, wobei man sich nicht durch die eigentliche Wortbedeutung selbst irreführen lassen sollte – schließlich ist auch das emotionale bei einer Entscheidung wichtig. Trotzdem möchte ich hier weiter von der Grundvernunft reden.

Das Ziel eines Individuums ist, Glück (Lust ) zu erzielen. Die Grundvernunft, ein wesentlicher Teil des Geistes eines Individuums, strebt eben gleich dieses Glück an. Hier muss angemerkt werden, dass es wohl klüger wäre, Schmerzlosigkeit anzustreben ( vgl. : Nikomachische Ethik, Kapitel 94 – Aristoteles)

Dieser Aussage ist zustimmen, denn Freude ist nichts als der Mangel von Informationen – es kann einem immer besser gehen, denn sobald einem etwas fehlt – weil man es nicht mehr hat, erfährt man Mangel und Mangel führt zwanghaft zu Unglück. Ziel eines jeden Individuums sollte Zufriedenheit sein, nicht das endlose Streben nach mehr.

Auch in Entscheidungen spiegelt sich das wieder. Menschen handeln nicht frei, es herrscht das Prinzip der individuellen Grundvernunft, geprägt durch ein von eben diesem Individuum auch wiederum abhängigen Umfeld. Eine einzelne Entscheidung mag willkürlich, ja sogar frei erscheinen – vielmehr ist es aber eingeschränkte Wahrnehmung und unser eingeschränkter Geist, der die Dinge frei wirken lässt. Wir sind in jedem Handeln, in jeder Bewegung, in jedem Moment determiniert durch alles, was wir sehen, fühlen oder in einem Folgeschluss einer anderen Beeinflussung denken.

Jede unserer Entscheidung muss determiniert sein, denn sonst ist sie nicht in einem Sinne des Individuums vernünftig im Sinne der Grundvernunft. Die Grundvernunft hierbei mag für den Beobachter nicht nachvollziehbar oder gar willkürlich wirken – das ist aber leicht erklärbar durch die Tatsache, dass Handelnde in der Situation ganz für sich selbst entscheiden – nicht aber etwa frei.

Empirisch belegbar ist das jedoch nicht, da der Mensch Entscheidungen situativ trifft, und dies kann man schlecht messen, geschweige denn nachweisen. Allein durch logisches Schlussfolgern kann  einem jedem klarwerden, dass ein Handelnder aus einem Grund handelt, nicht aus der Sache des freien Willens, nicht, weil er frei ist, sondern weil es tatsächlich bewusst oder unbewusst in diesem Moment Gründe gibt, etwas ganz Bestimmtes zu tun – das Individuum ist determiniert.

Man könnte nun einbringen, dass es sehr wohl Beweise gäbe für den freien Willen gibt – aber jeder ist einer für den Determinismus. Jede Aktion in unserer Welt ist determiniert, nicht durch einen Gott – nein, für den Determinismus braucht man keine Gottesfigur. Die Dinge sind wie sie sind, weil sie nicht anders sein können. Ein jedes kleines Ereignis kann in unserem späteren Leben für uns unvorhersehbare Konsequenzen haben, aber eben nicht weil wir von einer Gottesmacht gelenkt werden, sondern weil auf eine Aktion immer eine Reaktion folgt – unser Leben ist eine kausale Abfolge von unterschiedlichsten Ereignissen – nicht das Produkt eines indeterminierten Lebewesens, welches vermeintlich über allen anderen Spezies steht.

Verrohung der Diskussion – Artikel 62

Liebe Leser…

das aktuelle Diskussionsklima in Deutschland ist mehr als untragbar.

Ich möchte aufzeigen, was viele falsch machen, was man vielleicht falsch

macht und was man ändern kann.

 

Politische Diskussionen in Deutschland lassen sich aktuell meist in eine dieser Kategorien einteilen:

Es fehlen politische Differenzen. Es ist langweilig und reine Zeitverschwendung, weil nahezu die gleiche Meinung vertreten wird. Die Diskussion ist sinnlos. ( TV-Duell Wahlen 2017)

oder

Es gibt politische Differenzen und diese werden nicht nur im Inhalt ersichtlich, sondern auch in dem äußerst unprofessionellem und respektlosen Umgang miteinander. ( Wie geht’s, Deutschland – 5. Sept 17 )

 

Ich möchte hier die zweite Kategorie behandeln, welche sicherlich auch ein Grund für die erste sein kann ( außer es ist ein TV-Duell zwischen Merkel und Schulz, welches viel länger als die deutlich interessantere Diskussion „fünfkampf“ am Folgetag geht )

„Die Gewalt beginnt bei der Verrohung der Sprache“

– Christian Lindner ( faz )

( Auch wenn hier eher gemeint war, dass die AfD Begriffe wie „völkisch“ verwendet – das Zitat stimmt. )

Gewalt beginnt bei der Verrohung der Sprache – und Überraschung, wenn ich AfDlern während einem Interview Nazi-Vorwürfe mache oder sie als Nazi-Partei betitle, dann macht mir das auch der kleine Mann nach – und wie man ja dank unserem tollen Justizminister Maas weiß, entsteht Gewalt zuerst im Kopf.

(Profi-Politiker-Tipp: Dann macht es auch keinen Sinn, sie zu zensieren. Denn sie ist dann ja immer noch da. Was für ein Geniestreich. Einfach die Symptome zensieren und dafür sorgen, dass sich Menschen in emotionalen Ausbrüchen ausgegrenzt fühlen – mal sehen wo das hinführt. Oder lassen wir das am besten die Netzwerke machen, mit einer maximalen Zeit bis zur Löschung und brummen ansonsten eine heftige Geldstrafe auf. Das hat sicherlich keine Fehllöschungen zur Folge.)

Wie auch in „Wie geht’s, Deutschland“ – einer Sendung des ZDF, welche am 5. September ausgestrahlt wurde. Hier verlässt die AfD-Spitzenkandidatin nämlich einfach das Studio, nachdem sie ausgelacht, unterbrochen und persönlich angegriffen wurde. Sie selbst hat sich allerdings auch nicht perfekt verhalten, das muss auch gesagt werden. Während der AfD immer wieder ins Wort gefallen wird, fällt auch die AfD immer wieder ins Wort. Aber das der Saal klatscht und jubelt als sie geht, das ist ein klares Zeichen von Ausgrenzung und Spott.

Ihr solltet euch schämen. Ihr seid keine Demokraten, ihr seid Meinungsmacher. Ihr seid aber auch keine Lügenpresse, ihr seid einfach nur unfähig zu diskutieren, aber nicht weil ihr keine Argumente habt, sondern weil euch etwas fehlt was viel wichtiger als Argumente ist: Respekt.

Wer diesen nicht hat, sollte auch nicht öffentlich auftreten oder gar interviewen und erst recht nicht im Fernsehen diskutieren.

Ich gebe offen zu, dass ich andere Personen durchaus mal als Nazis betitelt habe, aber ich bin weder ein Politiker noch eine Person in der Öffentlichkeit. ( und es ist 2 Jahre her ) Ich habe euch den Artikel sogar verlinkt. Ich habe damals einen Fehler gemacht und hier auf dem Blog findet man noch einige Beispiele von Meinungen, welche ich nicht ( mehr ) vertrete. Ich werde sie aber nicht löschen.

Und ich habe keinerlei politischen Einfluss. Aber ich habe Respekt. Anfangs hab ich mich mitreißen lassen, so wie ein Großteil von euch. Aber es ist falsch. Zusammen können wir Lösungen finden, also lasst uns gemeinsam danach suchen.

Das ist kein akzeptables Diskussionsklima und wir sollten das ändern.

In Liebe,

euer brainfuck

Es ist nicht auszuschließen, dass ich hier als Kunstperson agiere und Artikel entsprechend provokant geschrieben sind – um eben auch hervorzustechen. Danke fürs Lesen.

Vor dem Gesetz sind alle gleich… oder? – Artikel 61

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.

Das sagt jedenfalls unser Grundgesetz.
Allerdings gab es in den letzten Jahren immer wieder eigentlich strafrechtlich relevante Fälle, welche aber aufgrund von diplomatischer Immunität nicht weiter verfolgt wurden.

Und es sind nicht nur irgendwelche Bagatelldelikte – sondern auch menschenrechtsverletzende Fälle. Das ist aber irrelevant. Denn Immunität ist Immunität.

Dewi Ratnasari, ihr wirklicher Name ist nicht bekannt, soll fast zwei Jahre lang im Berliner Haushalt eines saudischen Botschaftsmitarbeiters geschuftet haben wie eine Sklavin. (…)  Die Botschaft bezahlte damals zwar das ausgebliebene Gehalt, doch für den Diplomaten hatte der Fall keine Konsequenzen.
Tagesspiegel.de

Und jetzt ist die „diplomatische Immunität“ wieder groß in Diskussion.
Ein Radfahrer ist gegen die Autotür eines im Halteverbot stehenden geprallt und an den Folgen einer schweren Kopfverletzung gestorben. ( Quelle )

Und eine Strafverfolgung?

Der 51-Jährige ist Diplomat aus Saudi-Arabien und genießt Immunität, wie Sicherheitskreise in der Hauptstadt dem SPIEGEL bestätigten. „In einem solchen Fall wird das Verfahren eingestellt“
Spiegel.de

Das sagt jedenfalls der Spiegel und bezieht sich hierbei auf Aussagen eines Sprechers der Berliner Staatsanwaltschaft.

Interessant ist auch, was dem Artikel noch entnommen werden kann:

„In Berlin kommt es jährlich zu Tausenden Verkehrsverstößen von Diplomaten, die nicht verfolgt werden dürfen. Laut der Innenbehörde wurden 2015 insgesamt 24.114 Verkehrsdelikte für Kraftfahrzeuge mit Diplomatenkennzeichen registriert, 2016 waren es 22.880.“

Interessant ist die Formulierung.

Diplomaten dürfen nicht verfolgt werden.

Und das trifft tatsächlich zu.
Die diplomatische Immunität schützt Personen, welche in Deutschland Straftaten begehen.
Natürlich kann die politische Immunität auch aufgehoben werden, aber das ist offensichtlich eher selten der Fall, bei kleineren Verstößen wird so etwas sowieso nicht in Betracht gezogen.

Mit Verlaub: Das ist scheiße.

Personen, welche in Deutschland sind, sollten alle gleich behandelt werden. Und das ist keine Forderung, nein das ist gesetzlich festgelegt.

Und das im 3. Artikel des Grundgesetzes, Absatz 3.

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Natürlich sagt das Gesetz, dass Diplomaten Immunität und somit Schutz vor Strafverfolgung haben.

Aber wenn ein Mensch gegen ein in Deutschland geltendes Gesetz verstößt darf er nicht aufgrund „diplomatischer Immunität“ einfach einen Freibrief bekommen.
Das ist nämlich offensichtliche Bevorzugung gegenüber anderen Menschen.

Aber wie macht man es richtig?

Man versucht einfach dagegen vorzugehen.
Ein gutes Beispiel ist die USA: Vor ein paar Wochen wurden dort (unter anderem kurdische ) Demonstranten auf amerikanischem Boden von türkischen Sicherheitskräften attackiert.
Nun wurden Haftbefehle gegen einige dieser Sicherheitskräfte erlassen. ( Quelle )
Es ist zu hoffen, dass diese nicht fallen gelassen werden.

Allgemein ist mir die „diplomatische Immunität“ ein Dorn im Auge.
Wenn ein diplomatischer Status offensichtliche Täter vor Konsequenzen schützt – wer schützt dann uns? Und warum haben wir ein Grundgesetz, in welchem klar gesagt wird, dass niemand bevorzugt oder benachteiligt werden darf?
Das ergibt keinen Sinn.

Ja, manchmal ist es sicherlich sinnvoll, Diplomaten Immunität zu gewähren.
Allerdings sollten sie keinen Freibrief bekommen. Denn dann wird es auch nicht besser.

Over and Out!

Wer braucht schon politischen Diskurs, wenn er Demokratie hat? – Artikel 60

Im Bezug auf aktuelle Ereignisse habe ich mich entschieden, (m)eine Meinung zu äußern, welche einigen meiner Leser wahrscheinlich nicht gefallen wird.
Um ein wenig genauer zu sein:

Liebe Demokraten, liebe Mitbürger.

Was seid ihr für Menschen? Was wollt ihr für Zeichen setzen?
Es ist antidemokratisch, Meinungen zu verbieten.
Eure Freude über das Verbot zeigt, wie wenig Toleranz ihr doch habt.
Eure Angst vor Diskussionen mit Andersdenkenden zeigt, wie viel Angst ihr vor anderen Meinungen habt. Ihr wisst nichts über die Materie. Viele folgen blind irgendwelche Halbwahrheiten!
Politik ist auf einmal im Trend. Jeder hat eine Meinung! Wie wunderbar, könnte man jetzt denken: Doch mit euren fehlgeleiteten geforderten Verboten von demokratischen Parteien oder dem verzerren von Zitaten, welche in einem eindeutigen Kontext stehen, zeigt ihr nur eure Unfähigkeit und euren Realitätsverlust!
Die Demokratie ist etwas wunderbares.
Doch ihr macht sie kaputt. Ihr widersprecht euch selbst, ihr wollt alle Meinungen und alle Menschen tolerieren, aber mit AFD-Anhängern redet ihr nicht!
Ihr spaltet die Lager! Wie soll man denn Lösungen finden, wenn man nicht diskutiert?

Es bringt mich zum Verzweifeln, dass ihr es nicht auf die Reihe bringt, eine richtige Diskussion zu führen. Es demotiviert mich auch in meiner Schreiblust.
Wenn ein Artikel sich nicht über Trump oder die AFD lustig macht, klickt er dann überhaupt?

Mal sehen.
Dieser Artikel geht gegen euch, gegen diese Menschen, die meinen, sie seien Demokraten, wenn sie jetzt alle AFDler von der Facebook-Freundesliste entfernen. Aber auch gegen diese Menschen, die die Meinungsfreiheit einschränken wollen oder sogar eine demokratische Partei verbieten wollen.
Die AFD ist mir auch ein Dorn im Auge, aber was wäre eine Demokratie ohne Opposition? Sie wäre sicherlich keine Demokratie, sondern eher ein System, welches sich mit einem Namen brüstet, welches es nicht verdient hat.

Ich kann euch eure Meinungen nicht verbieten.
Und nein, das will ich auch gar nicht. Ich möchte mit euch in Diskurs treten und zeigen was falsch läuft. Und auch wenn euch das nicht gefällt:
Andere Menschen habe eine andere Meinung.
Wenn ihr diese nicht in Ordnung findet, diskutiert.
Und wenn ihr euch als Einheit einig seid, dass eine Meinung nicht in Ordnung ist, wie es jetzt der Fall ist, dann ist es sinnvoller zu protestieren.

Macht es nicht wie Erdogan.
Demonstriert und nutzt eure Rechte. Zeigt diesen Ministern, was die Idee von Meinungsfreiheit bewegen kann. Versammelt euch und protestiert!

Setzt endlich ein Zeichen! Aber zensiert nicht.

Und bedenkt:
Das lässt sich nahezu auf jede Situation anwenden.

In Liebe,
euer brainfuck

Over and Out.

Eine Kurzgeschichte – Mit gesenktem Blick

Der Junge war verärgert.

Das Lenkrad klemmte. Es war zwar aus Plastik, aber es klemmte. Und das regte ihn auf. Mitten im Assi-Viertel saß er jetzt mit seinem Billig-Polizeiauto fest. Während er nun darauf wartete, dass irgendetwas passierte, begann er dieses eine Lied zu summen, welches er immer summte wenn er beunruhigt oder ängstlich war. Auf eine solche Situation war der Kleine schlichtweg nicht vorbereitet gewesen. Generell hatte der Junge Probleme mit den meisten ungewohnten Situationen. Für ihn war Neues ungewöhnlich, und ungewöhnlich empfand er als unangenehm. Später würde er das ganze Routine und Rituale nennen. Aber daran dachte er nicht. Noch nicht. Er machte sich Sorgen um sich selbst. Er hatte nicht einmal seiner Mutter gesagt, wo er mit seinem Bobbycar hinwollte. Und jetzt kam er nicht mehr weg. Er saß fest.  Er vermisste seine Familie. Er fragte sich sogar insgeheim, ob er seine Schwester jemals wieder sehen würde. Natürlich würde er das nie zugeben. Zu anderen Kindern hatte er immer ein spezielles Verhältnis.

Just in diesem Moment hielt ein Sattelschlepper neben dem deprimierten Jungen.

Er hörte, wie sich eine Tür öffnete. Er vermied es, aufzublicken. Niemand sollte sehen, dass er den Tränen nahe war.  “Was machst du den so weit im Industriegebiet, mein Junge?”, fragte eine raue Stimme mit starkem schwäbischen Akzent. Nahezu unverständlich.

So etwas bereitete ihm Unbehagen. Er hasste es, wenn Menschen undeutlich redeten. Gedanklich wiederholte er den Satz. Obwohl er nicht aufschaute, merkte er, dass geduldig die Stimme auf ihn herabschaute. “Mein blödes Lenkrad klemmt, und nun komme ich nicht mehr zu Mama und Papa”, flüsterte der Junge schüchtern, blickte immer noch hinab.

Die folgende unangenehme Stille bemerkte der Junge gar nicht, so war er in seine Gedanken versunken. Komplett in seiner eigenen Welt. Unfähig, von hier wegzukommen. Unfähig, etwas zu verstehen. Er wollte nicht aufblicken, er wollte niemanden etwas erklären, was sowieso niemand verstehen würde. Wenn er aufblickte, und sich äußerte müsste er sich wieder rechtfertigen und niemand würde ihn verstehen. Es machte ihn traurig und glücklich zugleich, dass die Stimme sich für ihn interessierte, aber er hatte auch dieses starke Bedürfnis, alleine zu sein. Er fragte sich auch nicht, was die Stimme von ihm denken muss – denn es interessierte ihn nicht. Nach Hause wollte er. In seinem Zimmer wieder den Schlüssel umdrehen und alleine sein. Warum war er überhaupt nach draußen gegangen?

Die Stimme war verdutzt. Sie hatte erwartet, dass der Junge etwas nachvollziehbares als Grund anführt, aber das hier war absurd. Sie konnte ihn aber auch nicht hier sitzen lassen. So etwas macht man einfach nicht.

So entschied sie sich, dem Jungen etwas warmes zu trinken zu geben. Dieser war froh, dass ihm jemand Verständnis entgegenbrachte und half, ohne alles zu hinterfragen um es dann sowieso nicht zu verstehen. Sie redeten die ganze Zeit nicht miteinander. Und der Bobbycar wurde ganz regelkonform abgeschleppt. Im Gegensatz zum Jungen vergass die Stimme diese Begegnung schon sehr bald.

Halbgare vegetarische Verbraucherkennzeichnungen oder Dummheit – Artikel 59

Sie kennen das bestimmt:

Sie wollten an Silvester richtig viele tote Tiere essen.
Allerdings sind Sie den hinterlistigen Fleischimitaten in die Bärenfalle gelaufen:
Statt Fleisch haben Sie so dummes Veggie-Zeug gekauft! Wie widerlich!

Dieses „First-World“ Problem dürfte fast jeder aus der westlichen Welt kennen.
Diese bösen Fleischimitate, mit dem „vegetarisch“ oder „vegan“ besudeltem Namen. Tarnen sich als Fleisch. Krank.

Aufgrund dieser wohl doch sehr häufigen Fehlkäufe hat sich endlich der deutsche Ernährungsminister Schmidt geäußert:

Diese Begriffe sind komplett irreführend und verunsichern die Verbraucher. Ich setze mich dafür ein, dass sie im Sinne einer klaren Verbraucherkennzeichnung verboten werden. Ich möchte nicht, dass wir bei diesen Pseudo-Fleischgerichten so tun, als ob es Fleisch wäre.
(Zitat nicht vollständig, er fordert im Anschluss eigene Namen für Fleischersatzprodukte, wo übrigens echt kein Fleisch drin ist)
– Ernährungsminister Schmidt (Quelle)

Nun, ohne dem Minister irgendetwas vorwerfen zu wollen:
Während die Bezeichnung „frisch“ für verschiedenste Lebensmittel doch eher eine vage, oft abweichende Bedeutung hat, ist „vegetarisch“ doch eher ein wenig absoluter. So kann etwas „ein wenig frischer sein“ als das andere, jedoch dürfte es Ivanka Trump schwerfallen, ein „bisschen schwanger“ zu sein, denn es stellt einen absoluten Zustand dar.
Darunter fällt somit auch die „vegetarische Wurst“, ja „vegetarische Schnitzel“ sind wahrscheinlich wirklich vegetarisch, nicht ein bisschen vegetarisch und ganz sicher nicht halbvegetarisch. Möglicherweise redet Schmidt aber ein wenig halbgares Gesülz, welches auf kompletter Eigenerfahrung beruht und absolut nicht repräsentabel ist.

Nur weil etwas Wurst oder Schnitzel heißt, muss es nicht gleich aus Fleisch bestehen! Erst recht nicht, wenn es eine „vegetarische Wurst“ ist! Wie kommt man dann überhaupt auf die antifaktische Idee, das Fleisch enthalten sein könnte? Ich könnte auch ein Beispiel nennen, wo Wurst eher ein Abfallprodukt darstellt. Auch „Veggie-Wurst“ sollte ein unterdurchschnittlich-intelligenter Höhlenmensch als fleischfrei identifizieren können. Kann er das nicht, ist es keine Verbrauchertäuschung, bei weitem nicht.

Sondern Dummheit. Pure Dummheit.

Auch die Forderung nach neuen Namen sind absurd und irreführend.
Soll ich etwa nach „länglichem, dünnen fleischlosem Grillgut“ fragen?
Also bitte, man muss doch nicht alles verkomplizieren!
Ja, bitte erschwere meinen Alltag, Herr Minister!

Das einzig verunsichernde und irreführende sind solche Forderungen, welche an sich neben absurd auch noch völlig unnötig sind.
Kinderschnitzel bestehen übrigens auch nicht aus Kindern, und Eisberg-Salat wird nicht in der Antarktis angebaut!
Einfach unglaublich.

Das ist keine Verbrauchertäuschung.

Ich halte es für Verbraucherenttäuschung, wenn ich im Laden nach vegetarischen Schnitzeln suche, und mir niemand helfen kann – Weil niemand weiß, wie denn der Alternativname lauten könnte.
Bitte mach meinen Einkauf nicht noch komplizierter.
Danke, aber nein Danke, Herr Schmidt.