Halbgare vegetarische Verbraucherkennzeichnungen oder Dummheit – Artikel 59

Sie kennen das bestimmt:

Sie wollten an Silvester richtig viele tote Tiere essen.
Allerdings sind Sie den hinterlistigen Fleischimitaten in die Bärenfalle gelaufen:
Statt Fleisch haben Sie so dummes Veggie-Zeug gekauft! Wie widerlich!

Dieses „First-World“ Problem dürfte fast jeder aus der westlichen Welt kennen.
Diese bösen Fleischimitate, mit dem „vegetarisch“ oder „vegan“ besudeltem Namen. Tarnen sich als Fleisch. Krank.

Aufgrund dieser wohl doch sehr häufigen Fehlkäufe hat sich endlich der deutsche Ernährungsminister Schmidt geäußert:

Diese Begriffe sind komplett irreführend und verunsichern die Verbraucher. Ich setze mich dafür ein, dass sie im Sinne einer klaren Verbraucherkennzeichnung verboten werden. Ich möchte nicht, dass wir bei diesen Pseudo-Fleischgerichten so tun, als ob es Fleisch wäre.
(Zitat nicht vollständig, er fordert im Anschluss eigene Namen für Fleischersatzprodukte, wo übrigens echt kein Fleisch drin ist)
– Ernährungsminister Schmidt (Quelle)

Nun, ohne dem Minister irgendetwas vorwerfen zu wollen:
Während die Bezeichnung „frisch“ für verschiedenste Lebensmittel doch eher eine vage, oft abweichende Bedeutung hat, ist „vegetarisch“ doch eher ein wenig absoluter. So kann etwas „ein wenig frischer sein“ als das andere, jedoch dürfte es Ivanka Trump schwerfallen, ein „bisschen schwanger“ zu sein, denn es stellt einen absoluten Zustand dar.
Darunter fällt somit auch die „vegetarische Wurst“, ja „vegetarische Schnitzel“ sind wahrscheinlich wirklich vegetarisch, nicht ein bisschen vegetarisch und ganz sicher nicht halbvegetarisch. Möglicherweise redet Schmidt aber ein wenig halbgares Gesülz, welches auf kompletter Eigenerfahrung beruht und absolut nicht repräsentabel ist.

Nur weil etwas Wurst oder Schnitzel heißt, muss es nicht gleich aus Fleisch bestehen! Erst recht nicht, wenn es eine „vegetarische Wurst“ ist! Wie kommt man dann überhaupt auf die antifaktische Idee, das Fleisch enthalten sein könnte? Ich könnte auch ein Beispiel nennen, wo Wurst eher ein Abfallprodukt darstellt. Auch „Veggie-Wurst“ sollte ein unterdurchschnittlich-intelligenter Höhlenmensch als fleischfrei identifizieren können. Kann er das nicht, ist es keine Verbrauchertäuschung, bei weitem nicht.

Sondern Dummheit. Pure Dummheit.

Auch die Forderung nach neuen Namen sind absurd und irreführend.
Soll ich etwa nach „länglichem, dünnen fleischlosem Grillgut“ fragen?
Also bitte, man muss doch nicht alles verkomplizieren!
Ja, bitte erschwere meinen Alltag, Herr Minister!

Das einzig verunsichernde und irreführende sind solche Forderungen, welche an sich neben absurd auch noch völlig unnötig sind.
Kinderschnitzel bestehen übrigens auch nicht aus Kindern, und Eisberg-Salat wird nicht in der Antarktis angebaut!
Einfach unglaublich.

Das ist keine Verbrauchertäuschung.

Ich halte es für Verbraucherenttäuschung, wenn ich im Laden nach vegetarischen Schnitzeln suche, und mir niemand helfen kann – Weil niemand weiß, wie denn der Alternativname lauten könnte.
Bitte mach meinen Einkauf nicht noch komplizierter.
Danke, aber nein Danke, Herr Schmidt.

Kommentar verfassen