Kritik am freien Willen (2)

Kritik am freien Willen (2)

Belegt an einem Naturvergleich

Wenn der freie Wille nicht existiert, was unterscheidet uns dann von den Tieren?

Durch die radikale Reduzierung der Fragestellung auf eine völlig andere Thematik, nämlich das begründete Handeln, mag es einfach und sinnvoll erscheinen den freien Willen als nicht existent abzustempeln – dabei wird hier etwas anderes behandelt: Nämlich das kausale Handeln.

Auf Aktionen erfolgen immer Reaktionen, es fragt sich nur ob in einer gleichen Aktion die gleiche Reaktion folgen würde, oder ob sich das Individuum anders entscheiden würde.

Diese Frage lässt sich aber nicht beantworten.

Folgt man aber der Idee des Determinismus, muss der Handelnde in jeder gleichen Aktion ( hier: Entscheidungssituation mit vorgegebenen Bedingungen )  immer gleich reagieren, egal wie oft man sie wiederholt – hierbei muss es aber wirklich die absolut gleiche Aktion sein.

Wenn wir eine andere Theorie verfolgen, stellen wir uns als Mensch über die Natur, wir sehen uns als etwas höheres – schließlich ist absolut jedes Ereignis in unserer Welt auch determiniert durch die zugrundeliegenden geschehene Ereignisse. Der radikale Determinismus sieht uns als biologische Systeme, die determiniert sind und durch innere und äußere Einflüsse gelenkt werden – jede andere Theorie würde uns als etwas sehen, was über den physikalischen Gesetzen und der allgemein gültigen Logik steht, als eine von der Natur unabhängige Einheit, die völlig willkürlich handelt.

Gleich ist es mit dem Zufall: Es gibt keinen Zufall, es gibt nur Dinge, welche wir nicht aus jenem Momenten vorhersagen können oder eben auch gar nicht vorhersagen können. Deshalb sind sie nicht willkürlich, geschweige denn ist es unsern Handeln.

Nur weil wir nicht fähig sind, etwas zu verstehen, sollten wir es nicht wieder als etwas göttliches oder als etwas höheres abtun. Damit stellen wir uns unter eine Logik, mit welcher wir alles simplifizieren können, und auch keine Wahrheit erfahren. Wir hören dann nämlich auf, Dinge zu hinterfragen, weil sie mit einer fantastischen Idee einfach zu erklären sind – wir sind nicht gottesgleich oder etwas besseres.

Wir sind biologische Systeme, determiniert, nicht besser als Tiere – aber es gibt etwas, was uns von ihnen unterscheidet, denn wir können Dinge hinterfragen. Und das sollten wir tun.

Die Aufklärung hat unsere Welt und unsere Denkweise verändert, und wenn wir aufhören, nach Aufklärung zu streben verfallen wir den wahnwitzigen Ideen einer allgemein herrschenden, undurchdachten Theorie, welche wir nur verfolgen, weil sie bequem und schmeichelnd erscheint – und von unseren Vorfahren gelebt wurde. Stillstand ist Rückschritt.

Der freie Wille existiert nicht als solches, aber wir können unsere Handlungen vermeintlich beeinflussen, eingeschränkt durch die determinierte Denkweise. Wir müssen konsequent-bedacht handeln, im Wohle der Allgemeinheit. Wir müssen uns selbst und anderen Menschen Impulse geben, Gutes zu tun um, dass wir gut leben können.